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Barroso fordert mehr europäischen Zusammenhalt

Europas Talente müssten zusammenarbeiten, um mitzuhalten

Der Vortrag des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso setzte bereits beim ersten Tag des Campus Symposiums Akzente. Er setzte sich leidenschaftlich für die europäische Idee ein und betonte, die Union sei selbst in schweren Zeiten wie der Eurokrise nicht zerbrochen, sondern habe solidarisch zusammengestanden. Das intellektuelle Talent auf dem Kontinent, so Barroso, sei herausragend. Das Problem sei vor allem die Tatsache, dass es nach wie vor 28 Märkte gebe. Mehr Zusammenhalt unter den Europäern sei vonnöten: „Was wir brauchen, ist eine europäische Dimension, wenn wir wirklich Gewicht haben wollen. Wir brauchen die europäische Dimension um unser volles Potenzial an den Universitäten, in der Wirtschaft und letztendlich auch im digitalen Bereich zu entfalten.“ Die junge Generation, so Barroso optimistisch, sei bereit, den Wandel in die Hand zu nehmen. An sie wandte er sich direkt: „Lasst uns die Möglichkeiten dieser neuen Welt ergreifen! Lasst uns unsere Unterschiede nicht als Problem betrachten, sondern als eine Bereicherung! Lasst uns die Welt zum besseren verändern!“

Beim Lazer Kickern erforscht Barroso die digitalen Messestände

Ein praktisches Beispiel für digitale Errungenschaften in Europa stellte Mart Laanemäe vor: als estnischer Botschafter vertrat er die digitale Vorreiternation in Europa, deren Verwaltung mittlerweile voll digitalisiert wurde. „Maschinen entscheiden in einfachen Situationen schneller als Menschen, das spart Zeit“, so Laanemäe in seinem Vortrag. So werden 99% der Steuererklärungen in dem kleinen baltischen Staat durch Maschinen bearbeitet, nur in den wenigsten Fällen muss ein Mensch eingreifen. Auch Datenschutz werde in Estland großgeschrieben: jeder Mensch sei Eigentümer seiner Daten und könne jederzeit in Erfahrung bringen, welche Daten wo gespeichert würden. Dadurch gebe es ein großes Zutrauen in die digitale Datenerfassung. So sei „digital“ in Estland mittlerweile zur rechtsverbindlichen Norm geworden.

 

Vertrauen in den Datenschutz und ins Netz war auch in der Diskussionsrunde zu digitalen Geschäftsmodellen ein Thema: der Kunde müsse wissen, was mit seinen Daten geschehe und jederzeit mitentscheiden können. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Erschließung digitaler Geschäftsmodelle sei die Geschwindigkeit. Hagen Rickmann von der Telekom und Dr. Matthias Schmuck, Strategieberater bei der adesso group, betonten, dass eine Anpassung in kleinen Schritten das beste Ergebnis verspreche. Den Wert der eigenen Marke zu erkennen und im digitalen Bereich fortzuführen sei dabei entscheidend, betonte David Görges, der für die New-Media-Sparte des BVB zuständig ist. Aber auch flache Hierarchien und Offenheit für Innovationen sei von großer Bedeutung. Fest stehe jedenfalls, so der Tenor der Runde, das Thema anzugehen und sich entsprechend aufzustellen, denn besonders für den Mittelstand könne die Digitalisierung zum Überlebensfaktor werden.

 

Auch im Workshop zum Thema „transatlantische Wirtschaftsbeziehungen“ war der Umgang mit Daten und Informationen beherrschendes Thema. In der Diskussionsrunde, die der ehemalige, republikanische US-Senator Chris Steineger im Gespräch mit Owen Jappen, dem Vorsitzenden der Democrats Abroad führte, standen auch die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA im Vordergrund. Besonders die junge Generation sei der Umgang mit Daten im Netz sorglos und vertraue auf die Unternehmen. Gleichzeitig sei das Bewusstsein dafür stärker, dass die Erhebung von Daten bessere oder günstigere Produkte verspreche. Dennoch müsse bedacht werden, dass im Netze bleibe, was dort einmal veröffentlicht worden sei.

 

„Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des ersten Tages“, freut sich CS-Geschäftsführer Christoph Neumann. „Wir haben unseren rund 900 Gästen ein umfassendes Programm bieten können, das gut angenommen wurde. Wir freuen uns auf den zweiten Tag, der unseren Gästen mit den Besuchen der Digital-Staatsministerin Dorothee Bär und unserem NRW Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart wieder spannende Vorträge und Themen nahebringen wird.“