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Raus aus der Perfektion des Analogen

Dorothee Bär und Andreas Pinkwart fordern mehr Mut in der Digitalisierung

 

„Nur weil wir jetzt eine erfolgreiche Industrienation sind, heißt es nicht, dass wir nicht einmal eine erfolgreiche Digitalnation sein können.“, so Dorothee Bär in ihrem Vortrag am zweiten Tag der südwestfälischen Wirtschaftskonferenz Campus Symposiums. Mit dem Motto Deutschlands Zukunft als Digitalnation appeliert Bär an Unternehmer der Region Südwestfalen: „Wovon wir uns in Deutschland auch verabschieden müssen ist, wie das verängstigte Häschen vor der Schlange zu sitzen. Wenn wir uns mit der Digitalisierung nicht auseinandersetzen, können wir nicht von ihr profitieren.“ Gerade die ländlichen Regionen sierht sie dabei bersonders im Fokus. Nicht die Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München müssen digitalisiert werden, sondern vor allem die übrigen Teile Deutschlands. Besonders der hervorragende Mittelstand als deutsches Alleinstellungsmerkmal in der Wirtschaftswelt müsse gestärkt werden. Man dürfe sich nicht auf Altbewährtem ausruhen, sondern die Chance ergreifen:„Nur weil wir jetzt eine erfolgreiche Industrienation sind, heißt es nicht, dass wir nicht einmal eine erfolgreiche Digitalnation sein können“

 

Auch Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, stellte am Vormittag heraus, dass es höchste Zeit ist: „Wir haben uns so nett eingerichtet, das Analoge zur Perfektion entwickelt und und stellen jetzt fest, oho es geht auch anders.“ Was viele Menschen zurückhalte, sei die Sorge um den Datenschutz. Das Beispiel Estland zeige allerdings, dass es auch anders gehen könne: „Der estnische Bürger weiß nicht nur, welche Daten verfügbar sind, sondern er sieht auch, wer wann auf seine Daten zugegriffen hat – das ist wirklicher Datenschutz.“

 

Umgekehrt könnten die Esten dafür in einem anderen Bereich auch von Industrienation Deutschland lernen, denn in der Industrie 4.0 läge Deutschland vorne.  Anders sähe es in den Bereichen Bildung und Medizin aus: analoges Arbeiten in den Krankenhäusern koste eine Menge Ressourcen und der jahrzehntelange Stillstand in den Klassenzimmern den Anschluss in Sachen digitaler Bildung. Es bräuchte mehr Effektivität und vor allem eine Datensouveränität, die eine bessere Verbindung von Mediziner zu Patient herstellt: „Ich fordere mehr Transparenz, mehr Mitbestimmungsrecht des Patienten, damit uns schnell und effektiver geholfen wird.“ 

 

Durch solche Tendenzen entstehe aber eine Datenmenge, mit der richtig umgegangen werden müsse. Denn Wissen entstehe exponentiell – wer soll das noch erfassen? Dort sieht er mehr Möglichkeiten für künstliche Intelligenz. Sein Ziel sei es, in diesem Bereich das führende Land in Europa zu werden. Dabei verliert er trotzdem nicht die kritischen Stimmen aus dem Blick: „Wir sind ganz fasziniert was alles geht, aber auf der anderen Seite fragen wir uns: Wenn wir einen humanuiden Roboter sehen und wie viel der schon kann - werde ich noch gebraucht?“ 

 

Auch das Thema Mobilität sei im Hinblick auf die Verkehrsbedingungen in Nordrhein-Westfalen essenziell. Aktuell ist NRW das Stauland Nummer eins. Dort sieht Pinkwart viele Chancen, vor allem durch den Ausbau des autonomen Fahrens. So werden aktuell in der RWTH Aachen autonomfahrende elektrobasierte Kleinbusse entwickelt, die den öffentlichen Personennahverkehr vereinfachen und rund um die Uhr möglich machen können. Aber auch Teststrecken für autonomes Fahren müssen ausgebaut werden. Pinkwart stellte die Frage in den Raum, warum dieses Thema nicht auch im ländlichen Raum eine große Rolle spielen solle. Dies kann Bernd Reichelt, Geschäftsführer der Stadtwerke Menden, beantworten. Als einer der Köpfe des Projektes zur Teststrecke autonomes Fahren in Südwestfalen arbeitet er unter anderem mit Kollegen der Stadtwerke Arnsberg am Thema Zukunftsmobilität im ländlichen Raum. „Wir sind seit Januar mit mehreren Unternehmen dabei und wir möchten, dass es Diskussion gibt, so wie hier heute. Aber Diskussion soll vor allem nicht nur in Ballungszentren, Großstädten und Hotspots stattfindet, sondern auch in ländlichen Regionen wie hier.“, so Reichelt.